Wie tief kann eine Stadt eigentlich in den Fels reichen? In Derinkuyu lautet die Antwort: bis zu 85 Meter, verteilt auf bis zu 18 Ebenen. Im August 2026 haben wir uns auf eigene Faust durch einen Teil dieses Labyrinths gekämpft, vorbei an Brunnen, Ställen und tonnenschweren Steintüren. Was uns dort erwartet hat, warum es unten ziemlich eng und voll wurde, und was der Eintritt gekostet hat, erzählen wir dir in diesem Artikel.
Derinkuyu liegt rund 40 Autominuten südlich von Göreme, im Zentrum Kappadokiens, und war für uns Teil unseres Wochenendausflugs von Ankara aus, bei dem wir auch die Uçhisar Burg, das Rosental und einen Zwischenstopp am Salzsee Tuz Gölü mitgenommen haben.
Derinkuyu: Die wichtigsten Fakten
| Kategorie | Info |
|---|---|
| Lage | Provinz Nevşehir, rund 29 km südlich der Stadt Nevşehir, ca. 40 Autominuten von Göreme |
| Tiefe | bis zu 85 Meter |
| Ebenen | bis zu 18 Ebenen insgesamt, davon rund 8 für Besucher zugänglich |
| Historische Kapazität | bis zu 20.000 Menschen samt Vieh und Vorräten |
| Erste Erwähnung | 10. Jahrhundert, byzantinische Epoche, Ursprünge vermutlich älter |
| Wiederentdeckung | 1963, für Besucher geöffnet seit 1969 |
| Besonderheiten | über 50 Lüftungsschächte, konstante Temperatur von rund 13 Grad, kilometerlanger Tunnel zur Nachbarstadt Kaymaklı, Teil des UNESCO-Weltkulturerbes seit 1985 |
Die Geschichte von Derinkuyu
Dass unter Derinkuyu überhaupt eine ganze Stadt liegt, wurde erst 1963 durch Zufall entdeckt. Ein Anwohner bemerkte, dass ihm immer wieder Hühner verschwanden, und stieß bei Renovierungsarbeiten in seinem Haus auf eine Spalte im Boden. Dahinter tat sich ein dunkler Tunnel auf, der Beginn eines gewaltigen unterirdischen Netzwerks. In der Folge wurden mehr als 600 Eingänge gefunden, viele davon versteckt in privaten Wohnhäusern. Diese Geschichte wird bis heute von lokalen Guides gerne erzählt, und wenn man selbst durch die engen Gänge geht, kann man sich gut vorstellen, wie überraschend dieser Fund für die gesamte archäologische Welt gewesen sein muss.
Die ersten schriftlichen Erwähnungen der Stadt stammen aus dem 10. Jahrhundert, aus der byzantinischen Zeit. Vieles spricht dafür, dass die Ursprünge deutlich älter sind, genau lässt sich das aber bis heute nicht klären. Genutzt wurde Derinkuyu vor allem als Schutzraum, unter anderem sollen sich hier frühe Christen vor Verfolgung im Römischen Reich sowie die Bevölkerung vor einfallenden Truppen versteckt haben. Bis zu 20.000 Menschen sollen samt Vieh und Vorräten hier über Wochen oder sogar Monate ausgeharrt haben, ohne die Oberfläche zu betreten.
Für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde ein Teil der Anlage ab 1969. Seit 1985 gehört Derinkuyu als Teil der Felsenlandschaft Kappadokiens zum UNESCO-Weltkulturerbe. Bis heute ist ein großer Teil der Stadt nicht erschlossen, teils weil er verschüttet ist, teils aus Sicherheitsgründen.
Spannend ist auch, dass Derinkuyu nicht isoliert war. Ein kilometerlanger Tunnel soll die Stadt mit der Nachbarstadt Kaymaklı verbunden haben, einer weiteren der über 200 vermuteten unterirdischen Städte in der Region Kappadokien. Bislang sind nur rund 36 davon überhaupt ausgegraben, geöffnet für Besucher sind noch weniger. Das zeigt, wie groß dieses unterirdische Netzwerk tatsächlich gewesen sein muss, und wie viel davon bis heute unerforscht im Fels verborgen liegt.
Unser Besuch in Derinkuyu
Wir sind ohne Guide und ohne Tour angereist, haben uns einfach vor Ort ein Ticket geholt und sind auf eigene Faust losgezogen. 13 Euro haben wir pro Person bezahlt, umgerechnet etwa 730 Lira. Insgesamt waren wir keine volle Stunde unten, das hat für unseren Eindruck völlig gereicht.
Ohne Guide fehlt dir zwar der historische Kontext zu einzelnen Räumen, dafür kannst du dir dein eigenes Tempo aussuchen und musst dich nicht einer Gruppe anpassen. Beschilderungen gibt es an den wichtigsten Punkten, sodass man sich auch ohne Führung grob orientieren kann, welcher Raum wofür genutzt wurde. Wer tiefer in die Geschichte einsteigen möchte, ist mit einer geführten Tour oder zumindest einem Audioguide aber klar im Vorteil. Für uns war das eigene Tempo aber genau richtig, wir konnten an den Stellen länger verweilen, die uns am meisten interessiert haben, ohne auf eine Gruppe warten zu müssen.
Die oberen Ebenen
Die oberen Bereiche der Stadt waren angenehm zu begehen. Es war gut durchlüftet, die Gänge waren stellenweise erstaunlich breit, und man konnte sich ohne Probleme frei bewegen. Hier waren früher unter anderem Ställe untergebracht, was auch aus praktischen Gründen Sinn ergibt, denn oben ist die Belüftung am stärksten und Gerüche konnten so leichter nach draußen entweichen. Wir hatten in diesem Bereich Zeit, uns die Architektur in Ruhe anzuschauen, ohne dass wir uns gedrängt gefühlt haben.
Je tiefer, desto enger
Umso weiter wir nach unten gegangen sind, umso enger wurde es. Die Gänge werden mit zunehmender Tiefe schmaler und niedriger, an manchen Stellen mussten wir uns bücken oder seitlich durchschieben. Bedrückend fanden wir das nicht direkt, aber es ging schon spürbar zur Sache. Das eigentliche Problem war weniger die Enge selbst als die Logistik: Viele der unteren Gänge sind nur in eine Richtung passierbar. Wenn dann mehrere Besuchergruppen gleichzeitig unten ankommen, entsteht ein Rückstau, bei dem man ewig warten muss, bis der Gang wieder frei wird. Unten wurde es dadurch zunehmend voller, gleichzeitig kamen immer neue Leute nach, ohne dass die bereits Wartenden vorankamen. Das war schon ein bisschen unglücklich gelöst und der einzige echte Kritikpunkt, den wir an unserem Besuch hatten.
Belüftung, Brunnen und Steintüren
Trotz des Gedränges unten war Derinkuyu insgesamt ein beeindruckendes Erlebnis, vor allem wegen der schieren Größe und der durchdachten Technik. Überall im System findest du alte Brunnenschächte, die früher gleichzeitig der Belüftung und der Wasserversorgung dienten. Über 50 solcher Schächte durchziehen die Anlage, manche davon reichen bis zu den untersten Ebenen. Das Ergebnis ist eine bis heute spürbar konstante, kühle Temperatur, ideal, wenn du wie wir im August dort warst und draußen die Hitze auf dich gewartet hat.
Besonders beeindruckend fanden wir die massiven, runden Steintüren, mit denen sich einzelne Abschnitte der Stadt im Ernstfall komplett verschließen ließen. Diese Steine konnten nur von innen bewegt werden und machten es Angreifern praktisch unmöglich, tiefer in die Stadt vorzudringen. Wenn man bedenkt, dass all das ohne moderne Werkzeuge in den Fels getrieben wurde, wird einem erst klar, wie durchdacht diese unterirdische Zivilisation tatsächlich war.
Auch die schiere Funktionsvielfalt der Räume hat uns überrascht. Neben Wohnräumen und Ställen gab es Lagerkammern für Vorräte, Weinkeller, eine Kapelle und sogar eine Art Schule. Alles war so angelegt, dass die Bewohner im Ernstfall über Wochen oder sogar Monate autark leben konnten, ohne die Oberfläche betreten zu müssen. Uns wurde erst vor Ort richtig bewusst, wie sehr das Überleben ganzer Gemeinschaften von diesem einen Belüftungs- und Wassersystem abhing.
Was uns zusätzlich fasziniert hat: Die Brunnenschächte, aus denen die Bewohner von Derinkuyu ihr Trinkwasser holten, wurden bis kurz vor der Entdeckung 1963 ganz normal weiter genutzt, ohne dass jemand wusste, welches riesige System sich darunter verbarg. Der türkische Name Derinkuyu bedeutet übersetzt so viel wie tiefer Brunnen, was angesichts dieser Geschichte fast schon ironisch wirkt, denn genau diese Brunnen waren es, die das Geheimnis so lange bewahrt haben.
Essen & Trinken
Direkt an der unterirdischen Stadt selbst gibt es keine nennenswerte Gastronomie, wir haben dort auch nichts gegessen. Im Ort Derinkuyu, der sich rund um den Eingangsbereich gruppiert, findest du einfache Restaurants und Cafés, die auf Tagesausflügler ausgerichtet sind. Für ein größeres kulinarisches Erlebnis würden wir eher zu einem Stopp in Göreme oder Uçhisar raten, wo die Auswahl deutlich größer ist.
Praktische Tipps
Plane für den Besuch mindestens 45 Minuten ein, wenn du wie wir zügig unterwegs bist, eher 60 bis 90 Minuten, wenn du dir jede Ecke in Ruhe anschauen willst. Feste, geschlossene Schuhe sind Pflicht, der Boden ist an vielen Stellen uneben, teils auch feucht und rutschig. Wegen der konstanten kühlen Temperatur von rund 13 Grad lohnt sich eine leichte Jacke, auch wenn es draußen im Sommer noch so heiß ist.
Wer das Gedrängel in den unteren, engen Gängen vermeiden will, sollte möglichst früh am Morgen oder kurz vor Schließung kommen. Wir waren tagsüber dort, entsprechend voll war es unten. Alternativ kannst du dir auch überlegen, statt Derinkuyu die etwas kleinere Nachbarstadt Kaymaklı zu besuchen, die oft als weniger überlaufen gilt, dafür aber auch weniger Ebenen für Besucher freigibt.
Wenn du mit dem Mietwagen unterwegs bist, findest du direkt am Eingang ausreichend Parkplätze. Öffentliche Busse fahren zwar auch zwischen Göreme, Nevşehir und Derinkuyu, mit eigenem Auto bist du aber deutlich flexibler, gerade wenn du wie wir mehrere Orte an einem Tag verbinden willst.
Ein weiterer praktischer Hinweis: Nimm dir Bargeld in Lira mit, gerade kleinere Stände und Toiletten am Eingangsbereich funktionieren nicht immer mit Karte. Und wenn dir Hitze oder Enge unangenehm sind, bleib einfach in den oberen zwei bis drei Ebenen, dort bekommst du bereits einen sehr guten Eindruck von der Anlage, ohne dich durch die engsten Passagen zwängen zu müssen.
Lass dir außerdem genug Puffer für die Rückfahrt oder das nächste Ziel, denn Derinkuyu lässt sich gut mit anderen Sehenswürdigkeiten Kappadokiens an einem Tag kombinieren. Bei uns folgte im Anschluss die Uçhisar Burg, was sich zeitlich problemlos ausging, da die Fahrt zwischen beiden Orten nur wenige Autominuten dauert.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie tief ist die unterirdische Stadt Derinkuyu?
Derinkuyu reicht bis zu 85 Meter in die Tiefe und verteilt sich auf bis zu 18 Ebenen, von denen rund 8 für Besucher zugänglich sind.
Wie viele Menschen lebten in Derinkuyu?
Historisch sollen bis zu 20.000 Menschen samt Vieh und Vorräten in der Stadt Schutz gefunden haben, vor allem in Zeiten von Bedrohungen und Angriffen.
Wann wurde Derinkuyu entdeckt?
Die moderne Wiederentdeckung erfolgte 1963, als ein Anwohner bei Renovierungsarbeiten in seinem Haus zufällig einen Zugang zum unterirdischen System fand. Für Besucher geöffnet wurde die Anlage 1969.
Was kostet der Eintritt in Derinkuyu?
Wir haben 13 Euro pro Person bezahlt, umgerechnet etwa 730 Lira. Die Preise können sich ändern, es lohnt sich, vor der Anreise aktuelle Werte zu prüfen.
Ist Derinkuyu für Menschen mit Platzangst geeignet?
Die oberen Ebenen sind breit und gut durchlüftet, die unteren Bereiche werden dagegen deutlich enger und niedriger. Wer stark unter Platzangst leidet, sollte sich das vorher gut überlegen oder sich auf die oberen Ebenen beschränken.
Wie lange sollte man für den Besuch einplanen?
Wir waren unter einer Stunde unten und hatten damit einen guten Überblick. Wer sich mehr Zeit nehmen will, sollte eher 60 bis 90 Minuten einplanen.
Ist Derinkuyu oder Kaymaklı die bessere Wahl?
Derinkuyu ist die tiefere und größere der beiden unterirdischen Städte, dafür oft auch stärker besucht. Kaymaklı gilt als etwas übersichtlicher und weniger überlaufen, bietet dafür weniger zugängliche Ebenen.
Braucht man einen Guide für Derinkuyu?
Zwingend notwendig ist ein Guide nicht, wir waren auf eigene Faust unterwegs und kamen gut zurecht. An den wichtigsten Räumen gibt es Beschilderungen. Wer mehr über die Geschichte einzelner Bereiche erfahren möchte, ist mit einer geführten Tour aber besser beraten.
Unser Fazit
Derinkuyu ist eines der beeindruckendsten Bauwerke, die wir bislang gesehen haben, nicht wegen einzelner spektakulärer Räume, sondern wegen der schieren Dimension und der durchdachten Technik dahinter. Belüftung, Wasserversorgung, Verteidigungsmechanismen, alles ineinander verzahnt und ohne moderne Werkzeuge in den Fels gegraben. Der einzige echte Wermutstropfen war das Gedränge in den unteren, engen Gängen, das durch die Einbahn-Logik der Wege entstanden ist.
Für uns hat sich der kurze Besuch trotzdem absolut gelohnt. Wer in Kappadokien unterwegs ist, sollte Derinkuyu fest einplanen, im besten Fall früh am Morgen, um dem größten Andrang in den unteren Ebenen zu entgehen.
Im Rückblick würden wir vor allem zwei Dinge anders machen. Erstens würden wir tatsächlich zeitiger anreisen, um dem Rückstau in den engen Einbahn-Passagen zu entgehen. Zweitens würden wir uns bewusst mehr Zeit nehmen, um die oberen, angenehmeren Ebenen in Ruhe zu erkunden, statt uns primär auf die Tiefe zu konzentrieren. Wer Kappadokien besucht und Zeit für nur eine unterirdische Stadt hat, ist mit Derinkuyu wegen der schieren Größe und der langen Geschichte trotzdem gut beraten.
Allgemeine Länderinformationen in Türkei
100 Euro haben in Türkei ungefähr die Kaufkraft von 245 Euro in Deutschland.
Makrodaten (automatisch)
- BIP pro Kopf
- 18.599 US-Dollar
- BIP pro Kopf, kaufkraftbereinigt
- 45.288 US-Dollar
- Einwohner
- 85,9 Mio.
- Wechselkurs
- 1 Euro = 56,24 TRY
- Big Mac
- 325 TRY (5,78 Euro)
Transport
- Verkehrsseite
- rechts
Praxis
- Telefonvorwahl
- +36
- Steckdosentyp
- Typ C, F






