Lohnt sich ein Wochenendtrip von Ankara nach Kappadokien, oder ist die Region nur mit Ballonfahrt und einer ganzen Woche Zeit ein Erlebnis? Wir haben es getestet. Drei Tage, ein Mietwagen, eine unterirdische Stadt und eine Burg später können wir sagen: Es lohnt sich, auch ohne Ballon. Wir wollten uns bewusst gegen die Heißluftballonfahrt entscheiden, weil wir schon andere Ballonflüge gemacht haben, und stattdessen die Sehenswürdigkeiten von Kappadokien zu Fuß, mit dem Auto und mit der Kamera erkunden. Was wir bei Derinkuyu, der Uçhisar Burg, einem Fotoshooting zwischen den Feenkaminen und im Rosental erlebt haben, und was das alles gekostet hat, erzählen wir dir in diesem Artikel.
Kappadokien liegt gut vier Autostunden südöstlich von Ankara und ist damit auch für ein verlängertes Wochenende gut zu erreichen. Wer wie wir gerade in der türkischen Hauptstadt unterwegs ist (wir sind mit AJet von Trabzon nach Ankara geflogen, unseren AJet Erfahrungsbericht findest du hier), sollte sich den Abstecher nicht entgehen lassen.
Die meisten Reiseberichte über Kappadokien drehen sich um die Ballonfahrt bei Sonnenaufgang. Wir haben diese Erfahrung schon bei früheren Reisen gemacht und wollten dieses Mal etwas anderes sehen. Statt um 4 Uhr morgens aufzustehen, haben wir uns Zeit für die Orte genommen, die im Ballon-Hype oft untergehen: die unterirdische Stadt, die Felsenburg, die Täler und die kleinen Details wie die Katzen in Göreme. Genau darum geht es in diesem Artikel.
Kappadokien: Die wichtigsten Fakten
| Kategorie | Info |
|---|---|
| Einwohnerzahl | ca. 280.000 (Provinz Nevşehir) |
| Fläche | ca. 5.500 km² (Provinz Nevşehir) |
| Höhe über dem Meeresspiegel | 900 bis 1.300 Meter, am höchsten Punkt (Uçhisar Burg) rund 1.400 Meter |
| Geschichte | Vulkanisch geformte Landschaft, seit der Hethiterzeit besiedelt, ab dem 4. Jahrhundert christliche Höhlensiedlungen, seit 1985 UNESCO Weltkulturerbe |
| Besonderheiten | Feenkamine, Höhlenwohnungen, unterirdische Städte, Heißluftballons |
| Wirtschaft | Tourismus mit jährlich 4 bis 5 Millionen Besuchern, Weinbau, Töpferei |
Anreise & Unterkunft
Von Ankara aus haben wir uns einen Mietwagen genommen. Die Strecke nach Kappadokien ist gut ausgebaut, größtenteils Autobahn, und wir waren nach ungefähr vier Stunden am Ziel. Wer flexibel sein will und die einzelnen Sehenswürdigkeiten in Ruhe abfahren möchte, ist mit dem eigenen Auto klar im Vorteil. Busse fahren zwar auch von Ankara nach Nevşehir oder Göreme, dann bist du aber wieder auf Touren oder Taxis vor Ort angewiesen.
Untergebracht waren wir im Sultan Cave Suites, einem Höhlenhotel mitten in Kappadokien. Zwei Nächte inklusive Frühstück haben uns 380 Euro gekostet, umgerechnet rund 21.300 Lira, also 190 Euro pro Nacht. Das ist für Kappadokien kein Schnäppchenpreis, aber wir würden es jederzeit wieder buchen. Die Zimmer sind tatsächlich in den Fels gehauen, das Frühstück war umfangreich, und der Ausblick von der Terrasse gehört zu den besten, die wir bislang aus einem Hotelzimmer hatten. Klare Empfehlung von uns.
Was uns besonders gefallen hat: Das Personal hat uns nicht nur beim Check-in beraten, sondern auch gleich die Empfehlung für das Fotoshooting gegeben, das wir später gebucht haben. Das zeigt, dass ein gutes Höhlenhotel in Kappadokien mehr ist als nur ein schönes Zimmer, sondern auch eine gute Anlaufstelle für die Planung der restlichen Zeit vor Ort. Wer sich für ein ähnliches Hotel interessiert, sollte in jedem Fall rechtzeitig buchen, gerade an Wochenenden sind die besten Häuser mit Panoramablick schnell ausgebucht.
Sehenswürdigkeiten in Kappadokien
Derinkuyu, die unterirdische Stadt
Ein Highlight unseres Wochenendes war der Besuch der unterirdischen Stadt Derinkuyu, rund 40 Autominuten von Göreme entfernt. Was hier unter der Erde entstanden ist, sprengt jede Erwartung. Bis zu 85 Meter geht es in die Tiefe, auf mehreren Ebenen wurden ganze Wohnräume, Ställe, Kirchen und sogar eine Schule in den weichen Tuffstein gegraben. Historisch diente die Anlage der Bevölkerung als Schutz vor Angriffen, phasenweise sollen hier bis zu 20.000 Menschen samt Vieh und Vorräten Zuflucht gefunden haben.
Der Eintritt lag bei uns bei rund 15 Euro pro Person, was etwa 840 Lira entspricht. Geöffnet ist die Anlage im Sommer meist von 8 bis 19 Uhr. Ein Tipp von uns: Wer unter Platzangst leidet, sollte vorsichtig sein. Manche der Gänge sind eng, niedrig und schlecht beleuchtet, an manchen Stellen mussten wir uns regelrecht durchzwängen. Für alle anderen ist es eines der beeindruckendsten Bauwerke, die wir auf unserer Reise gesehen haben, auch weil man sich kaum vorstellen kann, wie Menschen ohne moderne Werkzeuge so etwas in den Fels getrieben haben.
Plane für den Besuch mindestens eine Stunde ein, wenn du wirklich alle zugänglichen Ebenen sehen willst, eher anderthalb, wenn du wie wir jede Ecke fotografieren möchtest. An heißen Sommertagen ist Derinkuyu außerdem eine willkommene Abkühlung, da es in den unteren Ebenen deutlich kühler ist als an der Oberfläche. Feste Schuhe sind auch hier Pflicht, der Boden ist an manchen Stellen uneben und rutschig.
Uçhisar Burg
Die Uçhisar Burg ist keine von Menschen erbaute Festung im klassischen Sinn, sondern ein natürlicher, ausgehöhlter Felskegel und der höchste Punkt der ganzen Region. Der Aufstieg über Treppen und enge Gänge dauert etwa 15 bis 20 Minuten, der Eintritt liegt bei rund 9 Euro, umgerechnet ungefähr 505 Lira. Oben angekommen hast du einen 360 Grad Blick über ganz Kappadokien, von den Feenkaminen bis zum schneebedeckten Erciyes in der Ferne.
Wir waren gegen Sonnenuntergang dort, und genau das würden wir jedem empfehlen. Das Licht auf den Felsformationen ist dann besonders intensiv, und im Vergleich zu den überlaufenen Ballon-Aussichtspunkten am Morgen ist es hier deutlich entspannter.
Im Inneren der Burg führen schmale, in den Fels gehauene Tunnel und Treppen vorbei an ehemaligen Wohnräumen, Lagerkammern und Zisternen. Die Burg diente über Jahrhunderte als Zufluchtsort, unter anderem für frühe Christen, die vor Verfolgung flohen, und später als Wachturm während der Seldschukenzeit. Diese Geschichte merkt man dem Ort an, auch wenn heute vor allem Touristen mit Kameras statt Verteidiger mit Waffen unterwegs sind.
Fotoshooting zwischen den Feenkaminen
Über eine Empfehlung unseres Hotels haben wir uns zu einem Fotoshooting in der typischen Feenkamin-Kulisse Kappadokiens verabreden lassen. 1,5 Stunden inklusive aller Fotos und der RAW-Dateien haben uns 250 Euro gekostet, umgerechnet rund 14.000 Lira. Das ist definitiv kein Schnäppchen, aber die Landschaft rund um Göreme ist wie gemacht für solche Aufnahmen, und die Ergebnisse können sich sehen lassen. Wer sich für ein Fotoshooting interessiert, sollte direkt beim Hotel nachfragen. In Kappadokien ist der Markt für Fotografen riesig, entsprechend groß ist auch die Preisspanne, die von Anbieter zu Anbieter stark schwankt.
Rosental und Love Valley
Neben Derinkuyu und der Burg haben wir uns auch das Rosental, auf Englisch Rose Valley, und das benachbarte Love Valley angeschaut. Beide Täler sind bekannt für ihre bizarren Felsformationen und die rötliche Farbe des Gesteins, die vor allem bei Sonnenauf- und Sonnenuntergang zur Geltung kommt. Der Zugang ist kostenlos, es gibt markierte Wanderwege, die sich problemlos in ein bis zwei Stunden erkunden lassen. Feste Schuhe sind hier Pflicht, der Untergrund ist steinig und an manchen Stellen rutschig.
Das Love Valley ist vor allem für seine markanten, hoch aufragenden Feenkamine bekannt, die dem Tal seinen Namen geben. Das Rosental dagegen punktet mit den Farbverläufen im Gestein, die von hellem Beige bis zu kräftigem Rosa und Rot reichen. Wer genug Zeit mitbringt, kann beide Täler zu Fuß miteinander verbinden, wir sind aus Zeitgründen mit dem Auto zwischen den Ausgangspunkten gependelt und haben von dort aus kürzere Abschnitte erwandert.
Göreme und die Katzen
Was uns in Göreme besonders gut gefallen hat, waren die Katzen. Überall in der Stadt laufen sie herum, manche ziemlich arrogant, manche jung und verspielt, aber fast alle lassen sich streicheln. Dazu kommen die Aussichtspunkte rund um Göreme, die bei Sonnenauf- und Sonnenuntergang wirklich gigantisch sind. Wenn das Licht über die Feenkamine wandert, versteht man sofort, warum Kappadokien so viele Fotografen und Ballonfahrer anzieht.
Essen & Trinken
Zum Essen können wir das Restaurant im Sultan Cave Suites empfehlen, in dem wir während unseres Aufenthalts mehrfach gegessen haben. Die Küche ist solide türkisch, mit Blick über die Felslandschaft, was den Aufpreis gegenüber einem gewöhnlichen Restaurant zumindest teilweise rechtfertigt.
Für Martina als Vegetarierin war Kappadokien allerdings eher schwierig. Die Region ist stark auf Fleischgerichte ausgerichtet, klassische vegetarische Alternativen abseits von Salat, Brot und Käse waren in vielen Restaurants Mangelware. Wer vegetarisch unterwegs ist, sollte gezielt nach Optionen fragen oder sich vorher informieren, welche Restaurants eine größere Auswahl bieten.
Generell fällt außerdem auf, dass Essen und Getränke in Kappadokien deutlich teurer sind als im Rest der Türkei. Im Vergleich zu unseren anderen Stationen auf dieser Reise, etwa in Trabzon, merkt man sofort, wie touristisch die Region ist. Ein Getränk, das anderswo in der Türkei 30 Lira kostet, kann in Göreme locker das Doppelte oder Dreifache kosten.
Praktische Tipps
Die Fahrt mit dem Mietwagen von Ankara nach Kappadokien dauert rund vier Stunden und ist über die Autobahn gut zu bewältigen. Wer ein Wochenende einplant, sollte den Freitagnachmittag oder frühen Samstagmorgen für die Anreise nutzen, um am Sonntagabend genug Zeit für die Rückfahrt zu haben.
Preislich solltest du für ein Wochenende mit Übernachtung im Höhlenhotel, Eintritten, Essen und einem kleinen Extra wie einem Fotoshooting mit mindestens 700 bis 900 Euro für zwei Personen rechnen. Wer auf das Höhlenhotel und das Fotoshooting verzichtet und in einer einfacheren Unterkunft übernachtet, kommt deutlich günstiger weg, dann sind auch 200 bis 300 Euro für ein Wochenende zu zweit realistisch.
Unsere eigene Kostenaufstellung für das Wochenende zu zweit, ohne Mietwagen und Sprit, sah so aus:
- Sultan Cave Suites, 2 Nächte inklusive Frühstück: 380 Euro (ca. 21.300 Lira)
- Fotoshooting, 1,5 Stunden inklusive aller Fotos und RAW-Dateien: 250 Euro (ca. 14.000 Lira)
- Eintritt Derinkuyu, 2 Personen: ca. 30 Euro (ca. 1.680 Lira)
- Eintritt Uçhisar Burg, 2 Personen: ca. 18 Euro (ca. 1.010 Lira)
- Essen und Getränke für 3 Tage: ca. 100 bis 130 Euro (ca. 5.600 bis 7.300 Lira)
Damit landen wir bei etwa 780 bis 810 Euro für das gesamte Wochenende, Fotoshooting und Höhlenhotel eingerechnet. Das ist mehr, als die meisten für ein Wochenende in der Türkei einplanen, zeigt aber auch, wie sehr das Preisniveau in Kappadokien vom Rest des Landes abweicht.
Beste Reisezeit für Kappadokien sind Frühling und Herbst, wenn die Temperaturen angenehm sind und gleichzeitig noch gute Sicht für Ballonfahrten und Aussichtspunkte herrscht. Im Hochsommer kann es in der Region sehr heiß werden, im Winter dagegen kalt und teilweise verschneit.
Ein wichtiger Hinweis noch zu den Preisen allgemein: Kappadokien ist im Vergleich zum Rest der Türkei ein teures Pflaster. Rechne fest damit, dass Eintritte, Restaurants und Souvenirs deutlich über dem türkischen Durchschnitt liegen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie lange braucht man von Ankara nach Kappadokien?
Mit dem Mietwagen dauert die Fahrt rund vier Stunden. Die Strecke ist größtenteils Autobahn und gut ausgebaut.
Lohnt sich ein Wochenende in Kappadokien, oder braucht man mehr Zeit?
Für die wichtigsten Sehenswürdigkeiten wie Derinkuyu, die Uçhisar Burg und die umliegenden Täler reicht ein verlängertes Wochenende. Wer zusätzlich eine Ballonfahrt einplant oder mehrere Täler und unterirdische Städte besuchen will, sollte eher vier bis fünf Tage einplanen.
Was kostet der Eintritt für Derinkuyu?
Der Eintritt für die unterirdische Stadt Derinkuyu lag bei unserem Besuch bei rund 15 Euro pro Person, umgerechnet etwa 840 Lira.
Was kostet der Eintritt für die Uçhisar Burg?
Der Eintritt für die Uçhisar Burg liegt bei rund 9 Euro pro Person, umgerechnet ungefähr 505 Lira.
Ist Kappadokien auch ohne Ballonfahrt einen Besuch wert?
Ja, auf jeden Fall. Wir haben bewusst auf die Ballonfahrt verzichtet und trotzdem ein rundum gelungenes Wochenende erlebt, mit Derinkuyu, der Uçhisar Burg, dem Rosental und einem Fotoshooting zwischen den Feenkaminen.
Wie schwierig ist es für Vegetarier in Kappadokien?
Eher schwierig. Die Küche in der Region ist stark fleischlastig, vegetarische Alternativen sind in vielen Restaurants begrenzt. Es lohnt sich, gezielt nachzufragen oder Restaurants vorab zu recherchieren.
Ist das Essen in Kappadokien teurer als im Rest der Türkei?
Ja, deutlich. Die starke touristische Prägung der Region treibt die Preise für Essen, Getränke und Eintritte spürbar nach oben, verglichen mit weniger touristischen Regionen der Türkei.
Braucht man für Kappadokien einen Mietwagen?
Zwingend notwendig ist er nicht, macht die Erkundung aber deutlich einfacher. Mit eigenem Auto bist du unabhängig von Touren und Taxis und kannst Orte wie Derinkuyu oder das Rosental flexibel zu deinen bevorzugten Tageszeiten besuchen, etwa zum Sonnenuntergang an der Uçhisar Burg.
Was kostet ein Fotoshooting in Kappadokien?
Die Preise schwanken stark je nach Anbieter. Wir haben für 1,5 Stunden inklusive aller Fotos und RAW-Dateien 250 Euro bezahlt, umgerechnet etwa 14.000 Lira. Es lohnt sich, mehrere Angebote zu vergleichen oder wie wir eine Empfehlung des Hotels zu nutzen.
Unser Fazit
Kappadokien hat uns auch ohne Ballonfahrt überzeugt. Derinkuyu ist eines der beeindruckendsten Bauwerke, die wir bislang gesehen haben, die Uçhisar Burg liefert den vielleicht besten Ausblick der ganzen Region, und das Rosental sowie Göreme selbst, samt seinen Katzen, machen den Ort zu einem echten Erlebnis. Das Sultan Cave Suites können wir uneingeschränkt empfehlen, das Fotoshooting war teuer, aber die Bilder rechtfertigen den Preis.
Der Wermutstropfen ist das Preisniveau. Kappadokien ist im türkischen Vergleich kein günstiges Ziel, gerade bei Essen und Getränken merkt man deutlich, wie touristisch die Region geworden ist. Wer damit rechnet und ein entsprechendes Budget einplant, bekommt dafür aber auch ein Wochenende, das sich von kaum einem anderen Ort in der Türkei toppen lässt. Für alle, die wie wir von Ankara aus unterwegs sind: Vier Stunden Fahrt für dieses Erlebnis sind es allemal wert.
Allgemeine Länderinformationen in Türkei
100 Euro haben in Türkei ungefähr die Kaufkraft von 245 Euro in Deutschland.
Makrodaten (automatisch)
- BIP pro Kopf
- 18.599 US-Dollar
- BIP pro Kopf, kaufkraftbereinigt
- 45.288 US-Dollar
- Einwohner
- 85,9 Mio.
- Wechselkurs
- 1 Euro = 56,24 TRY
- Big Mac
- 325 TRY (5,78 Euro)
Transport
- Verkehrsseite
- rechts
Praxis
- Telefonvorwahl
- +36
- Steckdosentyp
- Typ C, F






