Kann man seinen Reisepass verlängern ohne Wohnsitz in Deutschland, wenn man seit Jahren abgemeldet ist und nirgends auf der Welt gemeldet? Ja. Es geht. Aber es ist teurer, langsamer und erklärungsbedürftiger, als du denkst, und du solltest nicht einfach unvorbereitet ins Bürgerbüro spazieren.
Wir haben uns am 1. September 2021 in Landshut abgemeldet. Seitdem haben wir keinen Wohnsitz mehr, weder in Deutschland noch sonst irgendwo. Im September 2026 waren wir für rund 30 Tage in Deutschland, und in diesen 30 Tagen mussten zwei neue Reisepässe her. Genauer gesagt vier, weil wir zusätzlich einen Zweitpass pro Person beantragt haben. Das Ergebnis: 374 Euro pro Person, zwei Termine statt einem, und ein Pass, in dem jetzt Bangkok als Wohnort steht.
Hier kommt der komplette Ablauf, die Rechtsgrundlage, die Gebührenaufstellung vom Kassenbeleg und die Fehler, die du dir sparen kannst.
Erst mal Begriffe klären: verlängern geht gar nicht
Der Begriff „Reisepass verlängern“ ist im deutschen Passrecht schlicht falsch, auch wenn ihn alle benutzen. Nach § 5 Abs. 4 Passgesetz ist eine Verlängerung der Gültigkeitsdauer ausdrücklich unzulässig. Du bekommst kein aufgestocktes Dokument, sondern immer ein komplett neues, und zahlst die volle Gebühr.
Das ist auch für uns der Grund, warum überhaupt ein neuer Pass nötig war. Unser alter Pass aus dem Jahr 2018 war nicht abgelaufen. Er war voll. 48 Seiten, und in acht Jahren Dauerreise haben wir es geschafft, jede einzelne davon mit Stempeln und Visa zuzupflastern. Wer regelmäßig in Länder einreist, die noch großflächig stempeln, kennt das Problem: Irgendwann verweigern Airlines oder Immigration die Einreise, weil kein Platz mehr für den Stempel ist. Zwei freie Seiten sind bei vielen Ländern Pflicht, Thailand verlangt sie zum Beispiel bei der Einreise.
Unsere Ausgangslage
Damit du einschätzen kannst, ob unser Fall auf dich passt, hier die Rahmenbedingungen:
- Abmeldung aus Deutschland am 1. September 2021, seitdem kein Wohnsitz im Inland
- Keine Meldeadresse im Ausland, wir sind schlicht nirgends gemeldet
- Gültiges Destination Thailand Visa (DTV), Hauptaufenthalt der letzten Zeit war Thailand
- Vorübergehender Aufenthalt bei Max‘ Mutter in Landshut, also im Bezirk der ehemaligen Meldebehörde
- Alter Reisepass gültig, aber voll
- Bedarf: ein neuer Reisepass mit 48 Seiten plus ein Zweitpass, pro Person
Wenn du dich gerade erst mit dem Thema beschäftigst, lies vorher unseren Beitrag zur Abmeldung des Wohnsitzes in Deutschland mit allen Vor- und Nachteilen und unseren Erfahrungsbericht zur Abmeldung im Bürgerbüro Landshut. Die Passfrage ist eine direkte Folge dieser Entscheidung, und sie taucht spätestens nach zehn Jahren bei jedem auf, der abgemeldet unterwegs ist.
Wer ist zuständig, wenn du nirgends gemeldet bist
Das ist der Kern des Problems, und genau hier scheitern die meisten im Bürgerbüro. Die Zuständigkeit regelt § 19 Passgesetz.
§ 19 Abs. 3 PassG im Klartext
Der Absatz hat drei Sätze, und alle drei sind relevant:
- Im Inland ist die Passbehörde zuständig, in deren Bezirk du für deine Wohnung, bei mehreren für die Hauptwohnung, gemeldet bist.
- Im Ausland ist die Passbehörde zuständig, in deren Bezirk du dich gewöhnlich aufhältst. Gemeint ist die deutsche Auslandsvertretung, also Botschaft oder Generalkonsulat.
- Ist danach keine Zuständigkeit begründet, ist die Passbehörde zuständig, in deren Bezirk du dich vorübergehend aufhältst.
Satz 1 fällt bei Abgemeldeten weg, weil du nirgends gemeldet bist. Satz 2 greift, sobald sich ein gewöhnlicher Aufenthalt im Ausland feststellen lässt. Und Satz 3 ist der Rettungsanker für alle, bei denen sich nicht einmal das sauber bestimmen lässt, also für echte Dauernomaden ohne Basis.
Bei uns wurde es die Botschaftslösung im Hintergrund, weil wir auf die Frage nach dem Hauptaufenthalt ehrlich Bangkok genannt haben. Damit war formal eine Zuständigkeit im Ausland begründet, und Landshut war die örtlich unzuständige Behörde. Genau das schlägt später in der Gebühr durch.
Der wichtige Grund und die Ermächtigung
Jetzt kommt der zweite wichtige Absatz. Nach § 19 Abs. 4 PassG muss auch eine örtlich nicht zuständige Passbehörde deinen Antrag bearbeiten, wenn du einen wichtigen Grund darlegst. Ausstellen darf sie den Pass aber nur mit Ermächtigung der zuständigen Passbehörde.
Konkretisiert wird das in der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zum Passgesetz (PassVwV, Nr. 19.4.1). Dort steht sinngemäß, dass Passanträge im Ausland lebender Deutscher von Passbehörden im Inland ungeachtet der eigenen Unzuständigkeit anzunehmen und nach Einholung der Ermächtigung zu bearbeiten sind, wenn ein wichtiger Grund dargelegt wird. Als Beispiel für einen wichtigen Grund wird genannt, dass der Weg zur zuständigen Passbehörde erheblich weiter ist als zur unzuständigen. Bei einem Deutschlandaufenthalt mit zuständiger Botschaft in Bangkok ist dieser Punkt ziemlich eindeutig erfüllt.
Und wichtig: Die Ermächtigung holt die Behörde ein, nicht du. Das ist auch der Grund, warum der Vorgang nicht in fünf Minuten am Schalter erledigt ist.
Zwei Termine im Bürgerbüro Landshut
Wir haben online einen Termin gebucht, und zwar rund sechs Wochen im Voraus. Buchen musste ihn Max‘ Schwester aus Deutschland, weil das Terminportal aus dem Ausland nicht erreichbar war. Das ist ein Detail, das im Netz nirgends steht, aber in der Praxis nervt: Wenn du aus Asien heraus planst, brauchst du unter Umständen jemanden in Deutschland, der für dich bucht.
Termin 1 am Freitag, 4. September 2026
Der erste Termin war in zwei Punkten falsch geplant. Zum einen war das Zeitfenster auf zwei Reisepässe ausgelegt, wir brauchten aber vier Dokumente für zwei Personen. Zum anderen war der Fall für die Sachbearbeiterin neu. Abgemeldete ohne jede Meldeadresse, dazu ein Zweitpass, das ist kein Standardvorgang im Bürgerbüro einer Stadt mit 75.000 Einwohnern.
Sie war ehrlich gesagt erst mal überfordert, hat sich dann aber informiert statt uns abzuwimmeln. Das ist der entscheidende Unterschied zu vielen Berichten, die man im Netz liest, in denen Antragsteller einfach weggeschickt werden. In Landshut wurde geprüft, geklärt und ein zweiter Termin vereinbart.
Termin 2 am Mittwoch, 9. September 2026
Beim zweiten Termin lief alles sauber durch. Anträge, Fingerabdrücke, Unterschrift, Lichtbild, bezahlt um 09:14 Uhr in bar. Kein Diskutieren mehr, keine Rückfragen zur Zuständigkeit. Die Pässe sollten in der Woche darauf fertig sein, Express sei Dank.
Unsere Lehre daraus ist simpel: Melde dich vorher beim Amt. Eine kurze Mail an das Bürgerbüro, in der du deine Situation beschreibst, hätte uns den ersten Termin gespart. Die Behörde kann sich dann vorbereiten, die Ermächtigung vorab anstoßen und ein passendes Zeitfenster buchen. Plane außerdem pro Person und pro Dokument ein eigenes Zeitfenster ein, nicht einen Sammeltermin.
Der Ablauf im Überblick
| Schritt | Zeitpunkt | Aufwand |
|---|---|---|
| Termin online gebucht (aus Deutschland) | Ende Juli 2026 | 10 Minuten |
| Unterlagen und Begründungsschreiben vorbereitet | Ende August 2026 | rund 2 Stunden |
| Erster Termin, Klärung der Zuständigkeit | Freitag, 4. September 2026 | rund 30 Minuten |
| Zweiter Termin, Antragstellung und Zahlung | Mittwoch, 9. September 2026 | rund 45 Minuten |
| Pass fertig zur Abholung (Express) | Folgewoche | persönliche Abholung |

Zwischen Terminbuchung und fertigem Pass liegen damit gut sieben Wochen, wovon der größte Teil auf die Wartezeit für den Termin entfällt. Wer das ohne Express macht, sollte lieber mit zehn bis zwölf Wochen planen. Für einen vierwöchigen Deutschlandaufenthalt ist das knapp, deshalb gehört der Termin zu den ersten Dingen, die du buchst, noch vor dem Flug.
Diese Unterlagen hatten wir dabei
Wir sind mit einer Mappe angerückt, und im Rückblick war das der Grund, warum es überhaupt funktioniert hat:
- Alter Reisepass (voll, aber gültig)
- Abmeldebescheinigung vom 1. September 2021
- Begründungsschreiben zur Zuständigkeit mit Verweis auf § 19 Abs. 3 und Abs. 4 PassG
- Begründungsschreiben für den Zweitpass mit Verweis auf § 1 Abs. 3 PassG
- Ausdruck des DTV-Visums als Nachweis des Auslandsaufenthalts
Das DTV-Visum wurde nicht ausdrücklich verlangt, wir haben es vorgelegt, damit der Aufenthaltsstatus nachvollziehbar ist. Genau das macht den Unterschied zwischen „der Kunde behauptet irgendwas“ und „der Fall ist dokumentiert“. Wer sich für das Visum selbst interessiert: Wir haben das Destination Thailand Visa im Detail beschrieben.
Ein eigenes Passfoto brauchst du übrigens nicht mehr. Seit dem 1. Mai 2025 sind digitale biometrische Lichtbilder Pflicht. Entweder du lässt das Foto bei einem zertifizierten Dienstleister machen und bekommst einen Code, oder du nutzt das Terminal in der Behörde. In Landshut hat das digitale Lichtbild 8 Euro gekostet und wurde direkt vor Ort aufgenommen.
Was es gekostet hat: 374 Euro pro Person
Hier wird es für die meisten interessant, weil genau diese Zahl nirgends im Netz steht. Das ist die Aufstellung vom Kassenbeleg der Stadt Landshut, ausgestellt am 9. September 2026, pro Person:
| Position | Betrag |
|---|---|
| Europapass, 2 x 70,00 Euro | 140,00 Euro |
| Expresspass, 2 x 102,00 Euro | 204,00 Euro |
| Passgebühr (Aufpreis 48 Seiten) | 22,00 Euro |
| Lichtbild digital im Bürgerbüro | 8,00 Euro |
| Summe pro Person | 374,00 Euro |
Für uns beide zusammen also 748 Euro. In bar bezahlt, 375 Euro hingelegt, einen Euro zurückbekommen.
Wenn du das gegen die normalen Gebühren rechnest, fällt sofort auf, dass hier etwas doppelt drin steckt. Die Gebühren stehen bundeseinheitlich in § 27 Passverordnung und liegen seit dem 1. Januar 2024 bei 70 Euro für Personen ab 24 Jahren, 22 Euro Aufpreis für den 48-Seiten-Pass und 32 Euro Zuschlag für das Expressverfahren. Ein Express-Reisepass mit 48 Seiten kostet regulär also 124 Euro, ein Express-Zweitpass mit 32 Seiten 102 Euro. Zusammen wären das 226 Euro statt 366 Euro reiner Gebühren.
Die Differenz von 140 Euro erklärt sich durch § 27 Abs. 2 PassV. Wird die Amtshandlung auf eigenen Wunsch von einer nicht zuständigen Behörde vorgenommen, verdoppelt sich die Gebühr. Aus 70 Euro Grundgebühr werden 140 Euro, und zwar pro Pass. Der Expresszuschlag und der Seitenaufpreis wurden nicht verdoppelt.
Zusammengefasst: Der Komfort, den Pass im Deutschlandurlaub beim alten Heimatamt zu machen statt bei der Botschaft, kostet dich 70 Euro extra pro Pass. Das muss man wissen, bevor man sich über den Beleg wundert. Ärgerlich ist es nicht, es ist einfach der Preis für Planbarkeit.
Warum wir Express genommen haben
Wir waren 30 Tage im Land, theoretisch hätte die Regelbearbeitung gereicht. Wir haben trotzdem den Expresszuschlag bezahlt, aus zwei Gründen.
Erstens brauchen wir die neuen Passdaten für unsere Tibet-Reise. Für die Einreise nach Tibet müssen die Passdaten vorab für die Permits hinterlegt werden, und zwar die Daten des Passes, mit dem du tatsächlich einreist. Wer hier mit einer Nummer arbeitet, die sich noch ändert, produziert ein Problem, das teuer wird.
Zweitens: Wir verlassen uns bei deutschen Ämtern ungern auf Zusagen zur Bearbeitungszeit. Wenn der Pass nicht rechtzeitig da ist, sitzen wir mit einem gebuchten Flug und einem vollen Pass fest. 32 Euro Aufschlag pro Dokument sind dafür eine sehr günstige Versicherung. Der Express-Pass ist kein Notdokument, sondern ein ganz normaler elektronischer Reisepass, er wird nur schneller produziert. Bei rechtzeitigem Eingang beim Passhersteller liegt er nach etwa drei Werktagen bei der Behörde.
Abgeholt haben wir persönlich. Pässe werden nicht verschickt, und eine Abholung per Vollmacht wollten wir uns nicht antun, solange wir sowieso im Land sind.
Der Zweitpass: die zweite Hürde
Der Zweitpass ist ein eigenes Thema, und er wird deutlich häufiger abgelehnt als der Erstpass. Rechtsgrundlage ist § 1 Abs. 3 PassG: Niemand darf mehrere deutsche Pässe besitzen, sofern nicht ein berechtigtes Interesse an der Ausstellung mehrerer Pässe nachgewiesen wird. Die Beweislast liegt bei dir, und die bloße Möglichkeit, dass du irgendwann mal einen zweiten Pass brauchen könntest, reicht ausdrücklich nicht. Ein bayerischer VGH hat das bestätigt: Eine vorsorgliche Ausstellung ist unzulässig.
Unsere Begründung war konkret: Wir planen eine Reise durch Afrika. Dort musst du für mehrere Länder Visa im Voraus bei Botschaften beantragen, und dein Pass liegt dann tagelang bis wochenlang bei der jeweiligen Vertretung. In dieser Zeit kannst du weder weiterreisen noch dich ausweisen. Genau dieser Fall gilt in der Literatur und in der Verwaltungspraxis als klassisches berechtigtes Interesse.
Zwei Dinge solltest du zum Zweitpass wissen. Er gilt nach § 5 Abs. 1 PassG nur sechs Jahre, nicht zehn. Und wer durch falsche Angaben einen weiteren Pass erschleicht, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die nach § 25 Abs. 2 PassG mit bis zu 5.000 Euro Bußgeld belegt werden kann. Also bitte ehrlich begründen, nicht kreativ.
Bei uns wurde der Zweitpass ohne Diskussion bewilligt, weil das Begründungsschreiben schriftlich vorlag.
Wohnort Bangkok: was jetzt im Pass steht
In einem deutschen Reisepass steht dein Wohnort. Wenn du in Deutschland gemeldet bist, steht dort der Ort deiner Hauptwohnung. Wenn du abgemeldet bist, muss etwas anderes hinein.
Wir wurden schlicht gefragt, wo wir uns überwiegend aufhalten. Wir haben Bangkok gesagt. Eine konkrete Adresse mussten wir nicht nennen, weder eine thailändische noch eine deutsche. Im Pass steht jetzt Bangkok, Thailand.
Das klingt nach einer Formalie, hat aber Nebenwirkungen. Der Eintrag ist für jeden Grenzbeamten sichtbar, und in manchen Ländern führt ein Wohnort im Ausland zu Rückfragen, gerade bei der Einreise ins Land des eingetragenen Wohnorts. Umgekehrt kann der Eintrag hilfreich sein, wenn du deinen Lebensmittelpunkt gegenüber Behörden plausibel machen willst. Das Thema hängt eng mit der steuerlichen Residenz als Digital Nomade zusammen, und dort solltest du wissen, was du tust. Der Passeintrag allein begründet keine steuerliche Ansässigkeit, aber er ist ein Indiz, das Behörden lesen können.
Was mit dem alten Pass und dem DTV-Visum passiert
Der alte Pass wird nicht einbehalten. Er wird entwertet, meistens durch Lochung oder abgeschnittene Ecke, und du bekommst ihn zurück. Das ist bei uns essenziell, weil im alten Pass das gültige Destination Thailand Visa klebt.
Und dieses Visum ist nicht übertragbar. Es wandert nicht automatisch in den neuen Pass. Bei der Einreise nach Thailand legst du beides vor, den entwerteten alten Pass mit dem Visum und den neuen Pass. Die Immigration kann den Vermerk dann in den neuen Pass übertragen. Wer ohne den alten Pass anreist, hat ein Problem, das sich am Schalter nicht lösen lässt.
Das gilt sinngemäß für jedes Langzeitvisum, das in einem Pass klebt. Prüfe vor dem Neuantrag, welche gültigen Visa du hast und wie das Zielland mit der Übertragung umgeht. Weitere Details zur Einreise haben wir im Artikel zur Einreise nach Thailand gesammelt.
Die Alternative: deutsche Botschaft im Ausland
Formal zuständig für Deutsche mit gewöhnlichem Aufenthalt im Ausland ist die deutsche Auslandsvertretung. In unserem Fall wäre das die Botschaft in Bangkok gewesen. Für viele ist das der einfachere Weg, weil keine Ermächtigung nötig ist und keine Gebührenverdopplung anfällt.
Für uns kam sie aus einem simplen Grund nicht in Frage: Wir waren gerade in Deutschland, und die Terminlage an Botschaften ist erfahrungsgemäß schlechter als in einem bayerischen Bürgerbüro. Dazu kommen der Versandweg der Pässe von der Bundesdruckerei ins Ausland und ein eigener Auslandszuschlag. Wenn du also ohnehin für ein paar Wochen in Deutschland bist, ist der Weg über eine inländische Passbehörde trotz der doppelten Grundgebühr meist der schnellere.
Umgekehrt gilt: Wenn du absehbar nicht nach Deutschland kommst, ist die Botschaft nicht die schlechtere, sondern schlicht die zuständige Lösung. Rechne dort mit längeren Wartezeiten für Termine und plane mehrere Monate Vorlauf ein.
Personalausweis: brauchen wir nicht mehr
Unsere Personalausweise laufen 2028 ab, und wir werden sie nicht erneuern. Als Abgemeldete, die sich überwiegend im Ausland aufhalten, unterliegen wir keiner Ausweispflicht. Die Pflicht nach dem Personalausweisgesetz trifft Deutsche, die der Meldepflicht unterliegen oder sich überwiegend in Deutschland aufhalten. Beides trifft auf uns nicht zu.
Praktisch brauchen wir den Ausweis ohnehin nicht. Innerhalb der EU reist man auch mit Reisepass, und für alles andere ist der Pass sowieso das einzig relevante Dokument. Wer allerdings regelmäßig in Deutschland Behördengänge, Bankgeschäfte oder Online-Identifizierungen erledigt, sollte sich das zweimal überlegen, denn die eID-Funktion des Personalausweises hat im deutschen Alltag durchaus Wert.
Was wir beim nächsten Mal anders machen
Fünf Punkte, die wir uns für 2036 notiert haben, und die du direkt übernehmen kannst:
- Vorab per Mail beim Bürgerbüro melden und den Fall beschreiben. Das spart im besten Fall einen kompletten Termin.
- Pro Dokument und Person ein eigenes Zeitfenster buchen, nicht einen Sammeltermin für alles.
- Termin früh buchen, und zwar von einem deutschen Anschluss aus, falls das Portal aus dem Ausland blockt.
- Beide Begründungsschreiben fertig ausgedruckt mitbringen, mit Paragraphen. Es geht nicht darum, den Beamten zu belehren, sondern darum, ihm die Arbeit abzunehmen.
- Nicht warten, bis der Pass abgelaufen oder voll ist. Wir haben unseren Pass genau ein Mal in acht Jahren gebraucht und trotzdem den Express bezahlt, weil es knapp wurde.
Häufig gestellte Fragen
Kann ich einen Reisepass ohne Wohnsitz in Deutschland beantragen?
Ja. Wenn du nirgends gemeldet bist, ist nach § 19 Abs. 3 PassG grundsätzlich die deutsche Auslandsvertretung an deinem gewöhnlichen Aufenthaltsort zuständig. Lässt sich kein gewöhnlicher Aufenthalt bestimmen, ist die Passbehörde am Ort deines vorübergehenden Aufenthalts zuständig. Ein Antrag bei einer inländischen Behörde während eines Deutschlandaufenthalts ist möglich, wenn du einen wichtigen Grund darlegst und die zuständige Behörde die Ermächtigung erteilt.
Was kostet ein Reisepass ohne Wohnsitz in Deutschland?
Bei uns waren es 374 Euro pro Person für zwei Pässe im Expressverfahren inklusive digitalem Lichtbild. Der entscheidende Posten ist die Verdopplung der Grundgebühr nach § 27 Abs. 2 PassV, weil eine örtlich nicht zuständige Behörde tätig wird. Aus 70 Euro werden damit 140 Euro pro Pass. Expresszuschlag (32 Euro) und Aufpreis für 48 Seiten (22 Euro) bleiben unverändert.
Welche Unterlagen brauche ich als Abgemeldeter?
Alten Reisepass, Abmeldebescheinigung, ein Begründungsschreiben zur Zuständigkeit mit Verweis auf § 19 PassG und, falls du einen Zweitpass willst, ein zweites Begründungsschreiben nach § 1 Abs. 3 PassG. Nachweise über deinen Auslandsaufenthalt wie ein Langzeitvisum helfen, auch wenn sie nicht formal verlangt werden. Das biometrische Lichtbild wird seit Mai 2025 digital erfasst.
Wie lange dauert die Ausstellung?
Regulär rechnen die Behörden mit zwei bis sechs Wochen. Im Expressverfahren liegt der Pass bei rechtzeitigem Eingang beim Passhersteller nach etwa drei Werktagen zur Abholung bereit. Bei Beantragung über eine unzuständige Behörde kommt Zeit für die Einholung der Ermächtigung dazu, das solltest du einplanen.
Kann ich meinen Reisepass verlängern lassen?
Nein. Nach § 5 Abs. 4 PassG ist eine Verlängerung der Gültigkeitsdauer unzulässig. Du beantragst immer ein neues Dokument und zahlst die volle Gebühr, egal ob der alte Pass abgelaufen, beschädigt oder wie bei uns einfach voll ist.
Bekomme ich als Vielreisender einen Zweitpass?
Nur bei nachgewiesenem berechtigtem Interesse nach § 1 Abs. 3 PassG. Ein anerkannter Grund ist, dass dein Erstpass für Visumverfahren bei Botschaften hinterlegt werden muss, während du weiterreist. Ein anderer sind Stempel, die die Einreise in ein anderes Land blockieren. Vorsorgliche Anträge ohne konkreten Anlass werden abgelehnt. Der Zweitpass gilt sechs Jahre.
Was passiert mit gültigen Visa im alten Pass?
Der alte Pass wird entwertet und dir zurückgegeben. Visa wandern nicht automatisch mit. Bei der Einreise legst du alten und neuen Pass zusammen vor, damit die Immigration den Vermerk übertragen kann. Beim Destination Thailand Visa ist genau das der Weg, eine Übertragung im Vorfeld ist nicht möglich.
Brauche ich als Abgemeldeter noch einen Personalausweis?
Nein, sofern du nicht der Meldepflicht unterliegst und dich nicht überwiegend in Deutschland aufhältst. Dann greift die Ausweispflicht nicht. Praktisch kann der Ausweis trotzdem sinnvoll sein, etwa für die eID-Funktion bei deutschen Banken und Behörden.
Unser Fazit
Es funktioniert, und in Landshut sogar erfreulich unkompliziert, wenn man die Vorarbeit macht. Die Sachbearbeiterin hat sich schlau gemacht, statt uns wegzuschicken, und genau daran scheitert es bei anderen Ämtern regelmäßig. Wer im Netz sucht, findet Berichte von Leuten, die bei zehn Behörden abgewiesen wurden. Das liegt selten an bösem Willen und fast immer daran, dass der Fall zu selten vorkommt.
Was du mitnehmen solltest: Der Vorgang ist rechtlich klar geregelt, aber er ist kein Standardvorgang. Du brauchst die Paragraphen schriftlich, die Abmeldebescheinigung, Geduld für zwei Termine und ungefähr 70 Euro mehr pro Pass, als im Gebührenrechner steht. Rechne bei einem Erstpass mit 48 Seiten im Expressverfahren als Abgemeldeter mit rund 202 Euro, bei zwei Pässen mit den 374 Euro, die wir bezahlt haben.
Spar dir den Stress, den wir beim ersten Termin hatten: Schreib dem Amt vorher eine Mail. Das ist der einzige Fehler, den wir gemacht haben, und er hat uns fünf Tage und einen zusätzlichen Behördengang gekostet.
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Als bevorzugte Quelle hinzufügenHinweis: Wir sind keine Juristen. Dieser Beitrag gibt unsere eigene Erfahrung vom September 2026 wieder sowie den Stand der genannten Vorschriften zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Praxis unterscheidet sich von Amt zu Amt erheblich. Verbindliche Auskünfte bekommst du nur bei deiner Passbehörde oder der zuständigen deutschen Auslandsvertretung.






